array(0) { }

Dinah Washington:
Blues For A Day

 

New Blow Top Blues / It Isn’t Fair / Fine Fine Daddy / Since I Fell For You / Cold Cold Heart / Fast Movin’ Mama / Blues For A Day / Saturday Night / Long John Blues / Just One More Chance / If You Don’t Believe I’m Leavin’ / Shuckin’ And Jivin’ / Record Ban Blues / Richest Guy In The Graveyard / I’m A Fool To Want You /
The Man I Love / Embraceable You / Wise Woman Blues / I Can’t Get Started / A Slick Chick
(On The Mellow Side) / Blow Top Blues / Rich Man’s Blues / Juice Head Man Of Mine
Dinah Washington (voc), verschiedene Orchester und Combos, unter anderem The Cootie Williams Orchestra, The Gerald Wilson Orchestra, The Teddy Stewart Orchestra, The Lucky Thompson All Stars,
The Rudy Martin Trio, Lionel Hampton And His Septet
New York / Los Angeles / Chicago, Mai 1945 bis September 1951

 

 

Dinah Washington (bürgerlich Ruth Jones, 1924-63) war die “Queen of the Blues” (Lionel Hampton), das Bindeglied zwischen der Ursprünglichkeit der Bessie-Smith-Generation, der bebopgetönten Verruchtheit Billie Holidays und dem, was nach ihr mit Sängerinnen wie Aretha Franklin als Soul bekannt werden sollte. Ihre Songs wirkten unmittelbar, persönlich, direkt, hatten diese spezielle Lakonie, die Lässigkeit und Gefühl glaubhaft vermitteln konnte. Persönlich vom Pech verfolgt – Washington war achtmal verheiratet, litt unter starker Alkoholabhängigkeit und starb an einer nicht beabsichtigten Überdosis von Medikamenten –, gehörte sie zu den Stars der Nachkriegsjahre und schaffte mit Liedern wie What A Difference A Day Makes (1959) den Brückenschlag zu den Pop-Hitparaden. Washington war eine der Workaholics, die so of wie möglich auf der Bühne und vor Mikrofonen stand, am liebsten mit Jazzmusikern, aber auch mit verschiedenen Unterhaltungsensembles. Als junge Frau trat sie in die Fußstapfen ihrer Mutter und arbeitete in Chicago in einer Baptistenkirche als Chorleiterin, Sängerin und Pianistin, bevor sie Lionel Hampton 1943 in seine Band holte, ihr den Künstlernamen Dinah Washington verordnete und sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Von 1946 an ging sie künstlerisch ihre eigenen Wege, blieb jedoch während ihrer gesamten Karriere den Blues-Wurzeln treu. Ihre klare Diktion, das leicht kehlige, aber nicht schrille Timbre, die Fähigkeit, voller Natürlichkeit zu modulieren, überhaupt die Mischung aus versteckter Ironie und Spontaneität füllte ihre Lieder mit einem Leben, das aus dem Vollen zu greifen schien. Die Zusammenstellung “Blues For A Day” ist daher typisch für Washingtons Repertoire, denn sie erzählt Geschichten von versoffenen Männern und exzentrischen Frauen, von Liebesleid und Alltagsfreud’, gepackt in das zeitlose Gewand des Blues. Mancher Standard etwa aus Gershwins Feder gesellt sich dazu, Just One More Chance mit dem Ike Carpenter Orchester war 1951 sogar ein Hit. Insgesamt bleibt es gleich, ob sie von Jazz-Koryphäen wie Wynton Kelly, Milt Jackson, Ray Brown oder von Ensembles der zweiten Bekanntheitsliga begleitet wurde. Washingtons Präsenz ist frappant, sie zieht den Hörer auf ihre Seite, lässt ihn teilhaben an einem Leben voller Leidenschaften. Und das ist die hohe Kunst des Blues-Gesangs.

 

Quelle: Dombrowski, Ralf. 2005. „Basis-Diskothek Jazz“.
Mit einem Nachwort von Manfred Scheffner.
Stuttgart: Reclam.
(Abdruck mit freundlicher Genehmigung)